Der Bundestag hat am 10. Juli 2026 das GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz beschlossen. Für Patientinnen und Patienten steckt darin eine Änderung mit direkten Folgen für den Geldbeutel, denn ab dem 1. Januar 2027 zahlen die gesetzlichen Krankenkassen weniger zum Zahnersatz dazu.
Kronen, Brücken und Prothesen werden somit für gesetzlich Versicherte spürbar teurer. Wir rechnen vor, was das konkret bedeutet und wie Sie Ihre Eigenkosten so gering wie möglich halten.
Das Wichtigste auf einen Blick: Ab dem 1. Januar 2027 sinkt der Festzuschuss der Krankenkassen zum Zahnersatz um 10 Prozentpunkte. Ohne Bonusheft übernimmt die Kasse künftig nur noch 50 statt 60 Prozent der Regelversorgung, mit lückenlosem Bonusheft maximal 65 statt 75 Prozent. Die Härtefallregelung für geringe Einkommen bleibt unverändert.

Was genau gekürzt wird
Wer Zahnersatz benötigt, erhält von seiner Krankenkasse einen Festzuschuss. Dieser deckt einen Prozentsatz der sogenannten Regelversorgung ab, also der einfachsten medizinisch ausreichenden Lösung.
Dieser Prozentsatz sinkt ab 2027 auf allen Stufen um 10 Punkte:

Wichtig zum Verständnis: Der Kassenanteil bleibt auch dann gleich, wenn Sie sich für eine hochwertigere Versorgung entscheiden, etwa eine Keramikkrone oder ein Implantat. Die Kasse zahlt immer nur ihren Anteil an der Regelversorgung. Ab 2027 wird dieser Sockelbetrag kleiner, und Ihr Eigenanteil wächst entsprechend.
Was das in Zahlen bedeutet
Ihr zusätzlicher Eigenanteil erhöht sich ab 2027 um 10 Prozent, je umfangreicher die Versorgung, desto höher dementsprechend Ihre Mehrkosten.
Drei vereinfachte Rechenbeispiele zeigen die Größenordnung (ohne Bonusheft) bei den gesetzlichen Krankenkassen:

Die tatsächlichen Beträge hängen vom individuellen Befund ab. Den exakten Wert für Ihren Fall zeigt der Heil- und Kostenplan, den wir vor jeder Behandlung erstellen.
Zwei Dinge kommen erschwerend hinzu:
- Wer eine hochwertigere Versorgung als die Regelversorgung wählt, trägt den Aufpreis wie bisher komplett selbst. Der geschrumpfte Kassenanteil vergrößert die Gesamtlücke zusätzlich.
- Bei mehreren Zähnen summieren sich die Mehrkosten schnell auf einen vierstelligen Betrag.
Warum das Bonusheft jetzt bares Geld wert ist
Die Staffelung nach Vorsorgetreue bleibt erhalten. Der Abstand zwischen gepflegtem und fehlendem Bonusheft beträgt weiterhin 15 Prozentpunkte.
Was das in Euro ausmacht:

Ein einziger Kontrolltermin pro Jahr genügt, um die Historie fortzuschreiben. Ihre bereits gesammelten Bonusjahre bleiben vollständig erhalten, nichts beginnt von vorn.
Fehlt der Stempel für dieses Jahr noch? Dann vereinbaren Sie am besten zeitnah einen Termin zur Vorsorgeuntersuchung.
Wer von der Kürzung ausgenommen ist
Die Härtefallregelung bleibt unverändert bestehen, d.h. Versicherte mit geringem Einkommen erhalten weiterhin den doppelten Festzuschuss und bekommen die Regelversorgung vollständig von der Kasse bezahlt.
Ob Sie die Einkommensgrenzen unterschreiten, prüft Ihre Krankenkasse auf Antrag.
Vier Schritte, um Ihre Kosten im Griff zu behalten
1. Bonusheft lückenlos führen
Ein Jahresstempel kostet Sie nur einen Kontrolltermin und sichert dauerhaft 10 bis 15 Prozentpunkte mehr Zuschuss.
2. Anstehenden Zahnersatz noch 2026 umsetzen
Maßgeblich für den Zuschusssatz ist der Zeitpunkt, an dem der Zahnersatz eingesetzt wird. Ist bei Ihnen eine Krone, Brücke oder Prothese bereits geplant oder medizinisch absehbar, kann ein Behandlungsbeginn noch in diesem Jahr mehrere hundert Euro sparen.
Wichtig ist uns dabei Ehrlichkeit: Eine Versorgung, die medizinisch noch nicht nötig ist, sollten Sie nicht allein wegen des Stichtags vorziehen. Wir beraten Sie transparent, was in Ihrem Fall sinnvoll ist.
3. In Vorsorge investieren statt später in Reparatur
Die wirksamste Antwort auf sinkende Zuschüsse: Zahnersatz gar nicht erst brauchen. Regelmäßige Kontrollen und eine professionelle Zahnreinigung senken das Kariesrisiko deutlich. Auch eine rechtzeitig behandelte Parodontitis schützt vor Zahnverlust, der häufigsten Ursache für teuren Zahnersatz.
4. Zahnzusatzversicherung prüfen
Mit dem kleineren Kassenanteil wächst die Lücke, die eine Zahnzusatzversicherung schließen kann. Je früher der Abschluss und je gesünder die Zähne, desto günstiger der Beitrag.
Worauf Sie achten sollten:
- Wartezeiten von meist 3 bis 8 Monaten
- Erstattungsgrenzen in den ersten Vertragsjahren
- Sind Implantate und die professionelle Zahnreinigung eingeschlossen?
Eine konkrete Tarifempfehlung dürfen wir als Praxis nicht geben. Wir stellen Ihnen aber gerne einen aktuellen Zahnstatus als Grundlage für den Abschluss aus.
Häufige Fragen zum sinkenden Festzuschuss
Um wie viel wird mein Zahnersatz ab 2027 teurer?
Als Faustregel: um 10 Prozent der Kosten der Regelversorgung. Bei einer Krone sind das je nach Befund etwa 80 bis 120 Euro, bei einer Brücke rund 150 bis 250 Euro, bei umfangreichen Versorgungen entsprechend mehr.
Gilt die Kürzung auch für bereits laufende Behandlungen?
Entscheidend ist der Zeitpunkt der Eingliederung, also wann der Zahnersatz eingesetzt wird. Ein bereits von der Kasse genehmigter Heil- und Kostenplan sichert die Konditionen für einen begrenzten Zeitraum. Wenn bei Ihnen eine Versorgung ansteht, klären wir gemeinsam, welche Fristen gelten.
Betrifft die Kürzung auch Füllungen und Wurzelbehandlungen?
Nein, gekürzt wird ausschließlich der Festzuschuss zum Zahnersatz, also für Kronen, Brücken, Prothesen und Suprakonstruktionen auf Implantaten. Füllungen, Wurzelbehandlungen und die Behandlung akuter Schmerzen bleiben reguläre Kassenleistungen wie bisher.
Verliere ich meine bisher gesammelten Bonusjahre?
Nein, Ihre aufgebaute Historie bleibt vollständig erhalten. Wer bereits zehn Jahre lückenlos nachweisen kann, erhält ab 2027 direkt den Höchstsatz von 65 Prozent.
Lohnt sich das Bonusheft nach der Kürzung überhaupt noch?
Mehr denn je. Der Abstand zwischen höchstem und niedrigstem Satz bleibt bei 15 Prozentpunkten, und da die Eigenanteile insgesamt steigen, ist jeder Prozentpunkt künftig mehr wert. Ein Termin pro Jahr genügt.
Das Fazit: Die Kürzung kommt, Ihre Mehrkosten sind gestaltbar
Ab 2027 verschiebt sich beim Zahnersatz ein größerer Teil der Kosten von der Krankenkasse zu Ihnen. Wie stark Sie das trifft, haben Sie aber zum Teil selbst in der Hand: mit einem lückenlosen Bonusheft, konsequenter Vorsorge und einer gut geplanten Behandlung.
Wie das System der Festzuschüsse grundsätzlich funktioniert, erklären wir in unserem Ratgeber zum Kassenzuschuss beim Zahnersatz.
Sie möchten wissen, was eine anstehende Versorgung Sie vor und nach dem Stichtag kostet? Vereinbaren Sie jetzt einen Beratungstermin in unserer Praxis in Berlin Prenzlauer Berg. Wir rechnen es transparent für Sie durch.
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine zahnärztliche Untersuchung oder Beratung. Bei akuten Beschwerden melden Sie sich bitte direkt in unserer Praxis.


